Himalaya und Erfolg

Wandern macht mir sehr viel Spaß, gern gehe ich lange Touren mit Rucksack durch die Natur. Gerade wenn es anstrengend ist und der Komfort nachlässt, bekomme ich so den Kopf wieder frei und schalte richtig ab – nicht nur das Smartphone! Einfach mal nicht an Businesspläne, Marketingkonzepte und Steuerplanungen denken. Fragestellungen wie “Wie bekomme ich heute Abend die Schuhe trocken?” oder “Reicht das Trinkwasser noch bis zum nächsten Gebirgsbach?” machen dagegen einen neuen Schwerpunkt der Gedanken aus.

Meine letzte Tour im Frühjahr ging, kurz bevor die großen Expeditionen auf den Everest-Gipfel aufbrechen, in den Sagarmatha Nationalpark, durch das Khumbu Tal zum Everest Basecamp auf 5.365m. Damit es nicht zu einfach wurde, habe ich eine Tour über zwei hohe Pässe an Stelle der Hauptroute gewählt.

Während der fantastischen Eindrücke in der weitläufigen Bergwelt habe ich mich ganz hervorragend erholt. Neben der Erholung konnte ich meinen Gedanken völlig freien Lauf lassen. Dabei sind mir zwischen meiner Tour und dem Weg zum unternehmerischen Erfolg erstaunliche Parallelen aufgefallen:

Einfach machen – die Umsetzung

Seit Jahren habe ich mit einem Freund über diese Tour geredet. Wir haben uns Bilder angeschaut, Berichte gelesen und Reportagen geguckt. Und wenn wir dann beim Bier die Planung starten wollten kamen die üblichen Zweifel: Sind wir fit genug? Können wir uns überhaupt so eine lange Zeit aus der Arbeit herausnehmen? Wollen wir für einen Urlaub so viel Geld ausgeben? Es ist dann mehrmals eine andere – schöne aber weniger spektakuläre – Tour geworden.

Um es abzukürzen: Wir sind vor einigen Wochen dann dort gewesen! Selbstverständlich hat sich die (Arbeits-)Welt auch ohne uns weiter gedreht und wir haben das Geld gegen tolle Erfahrungen getauscht, die wir unser Leben lang nicht vergessen werden. Mein Tipp: Wenn Sie mal wieder von Zweifeln geplagt werden: Machen Sie einfach den ersten Schritt und schon sind Sie Ihrem Ziel näher gekommen!

Nicht zu stolz für Hilfe sein – die Arbeitsteilung

Viele Menschen machen häufig den Fehler, möglichst alles allein schaffen zu wollen. Aus Stolz fragt man niemanden und holt auch keinen Rat ein. Aber der Mensch ist nun einmal erfolgreich geworden, weil er die Arbeitsteilung erfunden hat. Setzen Sie Ihre Ziele und treffen Sie auf dem Weg grundlegende Entscheidungen. Holen Sie sich aber auch für alles, was nicht im Bereich Ihrer Kernkompetenzen liegt, einen externen Spezialisten. Üblicherweise gehen wir ohne Guide und tragen auch alles selbst. Für diese Tour haben wir uns entschieden, dass wir uns einer geführten Gruppe anschließen. Somit hatten wir für die perfekte Route einen Sherpa dabei und als wir über den vereisten Cho La auf 5.420m geklettert sind war ich froh, dass wir nur einen Tagesrucksack dabei hatten. Es war auch so ein extrem anstrengender Abschnitt – warum also sinnlos quälen und falsch laufen oder auf halben Weg nach oben abbrechen. Setzen Sie sich anspruchsvolle Ziele, aber gestalten Sie den Weg so unkompliziert wie möglich.

Ausdauer zahlt sich aus – das Durchhaltevermögen

Sicher, wir hätten auch die kürzere Hauptroute durch die Täler mit den etwas besseren Unterkünften nehmen können. Es wäre nicht so anstrengend geworden, wir hätten vielleicht weniger Nächte gefroren und öfter eine Dusche gehabt. Oder vielleicht gleich wie die reichen Japaner mit dem Heli-Shuttle ins Hotel “Everest View” anstatt der erforderlichen, mehrtägigen Akklimatisation dann nachts mit Sauerstoffmaske schlafen. Sie können jetzt natürlich sagen: Eben hieß es noch, das Ziel soll so unkompliziert wie möglich erreicht werden. Das würde stimmen, sofern Sie in Ihrer Liste nur einen grünen Haken bei “Blick auf den Everest” machen möchten. Aber bei dieser Tour war auch der Weg das Ziel. Nehmen Sie also stattdessen eine zweiwöchige Wanderung unter einfachsten Bedingungen auf sich und Sie werden mit ganz anderen Erfahrungen belohnt, als mit einem flotten Heli Shuttle. Besiegen Sie Ihren inneren Schweinehund, kommen Sie raus aus der Komfortzone und genießen Sie die neuen, exotischen Eindrücke. Sie werden auf vielfältige Weise belohnt!

Ganz abgesehen davon, können Sie viel von den Menschen und der Kultur lernen. Eine 60jährige Hüttenwirtin hat uns bei Ingwertee und Knoblauchsuppe von Ihrer Everest Gipfel-Besteigung mit 45 erzählt. Die Dame könnte Ihnen einiges in Sachen Zielsetzung, Ehrgeiz und Erfolg erzählen, das sprengt hier aber den Rahmen und könnte ein Buch füllen.

Oben wird die Luft dünner – der Gipfel des Erfolges

Der Weg zum Basecamp lag mehr als 5.000 Meter höher als unsere Heimat. Es klingt banal, aber mit jedem Meter Aufstieg wurde die Luft von Tag zu Tag buchstäblich dünner, die Streckenabschnitte immer anstrengender. Unsere Gruppe wurde kleiner und auch andere Menschen sah man immer weniger. Um das jeweilige Etappenziel zu erreichen, mussten wir immer mehr Anstrengungen unternehmen und offensichtlich schafften es immer weniger andere. Oder zumindest waren diese nicht mehr bereit, die neuerlichen Strapazen auf sich zu nehmen.

Es ist wie mit Ihrem Erfolg: Um ganz nach oben auf das Siegertreppchen zu kommen, müssen Sie alle Stufen vorher nehmen und immer mehr “Mitbewerber” hinter sich lassen. Und spätestens auf der Spitze werden Sie reichlich belohnt: je nach Zielsetzung mit Geld, Erfahrung, Weisheit.

Nun können Sie argumentieren, dass ich natürlich auch wieder heruntergekommen bin. Kein Mensch bleibt dauerhaft ganz oben, irgendwann steigt jeder wieder hinab. Warum also die ganze Mühe auf sich nehmen und hinaufklettern, wenn man früher oder später eh wieder im Tal landet? Ganz einfach: Alle Menschen im Tal wissen wie es im Tal aussieht. Aber nur wer oben war, weiß wie die Welt von dort aussieht und wird das Erlebte nie wieder vergessen. Und glauben Sie mir: Ich habe ein qualitativ minderwertiges Bier für 8 Dollar gekauft und mehrere Tage getragen. Aber als ich es im Schatten der Westschulter des Mount Everest mit Blick in Richtung Khumbu Eisfall getrunken habe, hat es unglaublich geschmeckt. Das kann man nicht beschreiben, das müssen Sie einfach selbst erlebt haben! (CW)